Wenn Sie in letzter Zeit eine trendige Weinbar besucht oder die Weinkarte eines angesagten Restaurants durchstöbert haben, sind Sie wahrscheinlich schon auf den Begriff „Natural Wine“ gestoßen. Doch was ist Natural Wine? In seiner reinsten Form wird Natural Wine aus unverfälschtem, vergorenem Traubensaft hergestellt – und aus nichts sonst. Er steht für eine Rückkehr zu traditionellen Methoden der Weinherstellung, bei denen Traubensaft mit minimalem technologischem Eingriff zu Wein wird.
In diesem Guide erfahren Sie alles, was Sie über die Kategorie Natural Wine wissen sollten – vom Verständnis des Herstellungsprozesses über die Eigenschaften natürlicher Weine bis hin zu vielem mehr!
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Der Ursprung von Natural Wine
Die moderne Natural-Wine-Bewegung begann im ländlichen Frankreich, wo eine Handvoll Winzer mit minimalem Eingriff, die lange isoliert gearbeitet hatten, einander fanden und begannen, eine Gemeinschaft aufzubauen. Die erste offizielle Natural-Wine-Verkostung, La Dive Bouteille, fand 1999 mit nur 15 Winzern und rund 100 Besuchern statt. Heute hat sich La Dive Bouteille zu einem mit Spannung erwarteten jährlichen Event entwickelt, das Hunderte von Winzern und Tausende von Besuchern aus aller Welt anzieht.
Anfang der 2000er-Jahre gewann Naturwein in den USA dank Importeuren wie Jenny & Francois Selections und Louis/Dressner zunehmend an Beliebtheit. Als immer mehr Restaurants Naturweine auf ihre Karten setzten und Medien über den Trend berichteten, entwickelte sich Naturwein von einem Nischenthema zu einem Phänomen im Mainstream.
Wie wird er hergestellt?
Bei der Herstellung von Naturwein kommt eine Bandbreite an Methoden zum Einsatz – von alten Traditionen bis hin zu modernen Experimenten. Das Ziel ist immer, die Trauben für sich sprechen zu lassen, ohne unnötige Zusätze oder Eingriffe.
Anbau und Lese der Trauben
Die Trauben für Naturweine werden mit großem Respekt für den Boden angebaut, oft nach biologischen oder biodynamischen Prinzipien, die die Biodiversität fördern und auf synthetische Pestizide und Düngemittel verzichten. Wenn es Zeit für die Lese ist, werden die Trauben von Hand gelesen, damit nur die besten Trauben in den Keller gelangen.
Gärung
Im Keller geschieht dann die eigentliche Magie. Anders als bei konventionellem Wein wird nicht jeder Aspekt der Gärung mit im Labor gezüchteten Hefen und Zusätzen kontrolliert. Stattdessen lassen Naturwinzer die natürlichen Hefen, die von Natur aus an den Beerenschalen haften, ihre Wirkung entfalten. Ein Verfahren, das so alt ist wie der Weinbau selbst.
Naturwinzer nutzen dabei verschiedene Techniken, darunter:
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Ganztraubengärung: Die Trauben werden vollständig mit Stielen vergoren, was dem Wein zusätzliche Tannine und mehr Struktur verleihen kann – besonders bei leichten Rotweinen wie Beaujolais.
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Kohlensäuremaischung: Bei dieser Methode werden ganze Trauben in einem verschlossenen Tank vergoren, der mit Kohlendioxid gefüllt ist. Das ergibt einen fruchtigen, leicht zugänglichen Stil mit weichen Tanninen.
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Spontangärung: Naturwinzer verlassen sich auf die natürlichen Hefen auf den Traubenschalen und in der Kellerumgebung, um den Gärungsprozess in Gang zu setzen.
Minimale Eingriffe und Reifung
Im Keller verzichten Naturwinzer auf Zusätze, Säurekorrekturen und technische Eingriffe und konzentrieren sich darauf, den Wein mit möglichst wenig Einfluss seinen eigenen Charakter entwickeln zu lassen. Dazu gehören unter anderem folgende Techniken:
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Maischestandzeit: Weiße Trauben werden zusammen mit ihren Schalen vergoren, wodurch ein orangefarbener oder bernsteinfarbener Wein mit mehr Tannin und einem einzigartigen Aromaprofil entsteht.
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Ausbau in Amphoren: Der Wein reift in großen Tongefäßen, den sogenannten Amphoren, die ihn atmen und sich entwickeln lassen, ohne zusätzliche Aromen abzugeben.
Bei der Abfüllung wird Naturwein in der Regel nur mit sehr wenig oder ganz ohne Zusatz von Sulfiten versehen – meist weniger als 30 ppm (parts per million) –, damit die natürlichen Aromen und Duftnoten des Weins erhalten bleiben.
Das Ergebnis
Naturweine sind unfiltriert und nicht geschönt und bewahren so all die farblichen Nuancen und die Textur, die bei konventionellen Weinen oft verloren gehen. Zusätze sind kaum oder gar nicht enthalten, sodass die ureigenen Aromen und Duftnoten des Weins voll zur Geltung kommen.
Keine Umkehrosmose zur Aromakonzentration, keine Mikrooxygenierung zur Milderung der Tannine, keine Kryoextraktion zur Verstärkung der Farbe. Nur Trauben, die durch die Mikroorganismen des Weinbergs und die lenkende Hand des Winzers zu einer Flüssigkeit verwandelt werden, die nicht nur ein Spiegel ihres Ursprungsortes ist, sondern ein direkter Zugang zu ihm.
Das Schöne an Naturwein ist, dass es keine strengen Regeln gibt. Das Ergebnis ist eine vielfältige und spannende Weinwelt voller Persönlichkeit und Charakter, die die unverfälschteste Form der Weinbereitung zeigt.
Merkmale von Naturwein
Wie schmeckt er?
Diese Weine sind für ihre lebendige Säure bekannt, die ihnen am Gaumen fast etwas Elektrisches verleihen kann. Oft fällt auch der niedrigere Alkoholgehalt auf, sodass der wahre Charakter der Trauben besonders gut zum Ausdruck kommt. Naturweine werden häufig als funky, erdig oder sogar leicht säuerlich beschrieben. Diese Eindrücke reichen von feinen Noten von Pilzen oder Waldboden bis hin zu markanteren Anklängen von Sauerkirsche oder Essig. Auch wenn diese Aromen anfangs ungewohnt sein können, schätzen viele Liebhaber von Naturwein genau die Komplexität und Tiefe, die sie ins Glas bringen.
Besonders spannend ist, wie sich der Wein im Glas und in der Flasche weiterentwickelt. Während Sie trinken, können sich die Aromen verändern und entfalten und neue Schichten von Frucht, Gewürzen oder erdigen Noten freigeben. Diese ständige Entwicklung macht jeden Schluck zu einem neuen Erlebnis.
Wie sieht er aus?
Möglicherweise sieht er nicht so kristallklar aus, wie Sie es gewohnt sind. Viele Naturweine sind unfiltriert und wirken deshalb leicht trüb oder sogar wolkig. Auch die Farben können kräftiger oder ungewöhnlicher sein – denken Sie an tiefdunkle, tintige Rottöne oder Weißweine mit goldenem Schimmer.
Die Naturwein-Bewegung
Diese Bewegung hat in den letzten Jahren deutlich an Dynamik gewonnen, und immer mehr traditionelle Weingüter beschäftigen sich mit schonenden, naturnahen Ansätzen. Dieser Wandel steht für einen breiteren Trend hin zu mehr Transparenz in der Weinherstellung und dem Wunsch, authentisches Terroir zum Ausdruck zu bringen – das einzigartige Zusammenspiel von Boden, Klima und Herkunft, das einem Wein seinen unverwechselbaren Charakter verleiht.
Viele Weine, die als Naturwein gelten, werden von kleinen Erzeugern gemacht, die überzeugt sind, dass konventionelle Weinbereitung mit chemischen Zusätzen und technologischen Eingriffen die Individualität eines Weins und seine Verbindung zum Herkunftsort verwischen kann. Naturwein sehen sie dagegen als reineren Ausdruck der Traube, des Weinbergs und des Jahrgangs.
Bio vs. biodynamisch vs. Naturwein?
Worin liegt also der Unterschied zwischen all diesen umweltfreundlichen Weinbegriffen? Hier ein kurzer Überblick:
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Biowein: Ein Wein mit wenig Eingriffen, hergestellt aus Trauben, die ohne synthetische Chemikalien angebaut werden, bei dem im Keller aber dennoch gewisse Eingriffe möglich sind. Zertifizierte Bioweine unterliegen strengen Grenzwerten für Sulfite.
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Biodynamischer Wein: Geht noch einen Schritt weiter als der biologische Anbau – mit zusätzlichen Praktiken auf Grundlage der Lehren von Rudolf Steiner. Denken Sie an Mondkalender und Kräuterpräparate. Zertifiziert durch Demeter.
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Naturwein: Verwendet biologische oder biodynamische Trauben, greift im Keller jedoch nur minimal ein. Es geht darum, die Trauben für sich selbst sprechen zu lassen. Anders als bei Bio- und biodynamischen Weinen gibt es hier keine rechtliche Definition oder Zertifizierung.
Warum Naturwein trinken?
Zunächst einmal ist es eine Möglichkeit, kleine, unabhängige Erzeuger zu unterstützen, die mit vollem Einsatz authentische, umweltfreundliche Weine herstellen. Außerdem berichten viele Menschen, dass sie Naturweine ohne Kopfschmerzen oder allergische Reaktionen trinken können, wie sie bei konventionellen Weinen auftreten können. Das kann daran liegen, dass hier mit natürlichen Hefen statt mit kommerziellen Hefen gearbeitet wird.
Prickelnde Naturweine wie Pét-Nat (pétillant naturel), eine Art Schaumwein, neigen besonders stark zu Abweichungen.
Bemerkenswerte Naturwein-Winzer und Regionen
Naturwein hat inzwischen in vielen Regionen weltweit Fuß gefasst, zu den bekannten Erzeugern zählen unter anderem:
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Frankreich: Jura (Pierre Overnoy, Jean-François Ganevat), Loire (Olivier Cousin, Nicolas Joly), Beaujolais (Marcel Lapierre, Jean Foillard), Rhône (Thierry Allemand)
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Italien: Friaul (Stanko Radikon, Joško Gravner), Sizilien (Arianna Occhipinti, Frank Cornelissen), Emilia-Romagna (La Stoppa, Denavolo), Piemont (Bartolo Mascarello)
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Spanien: Katalonien (Joan Ramon Escoda, Laureano Serres), Kastilien und León (Alfredo Maestro, Goyo Garcia), Andalusien (Barranco Oscuro)
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Georgien: Kachetien (Pheasant's Tears, Okro's Wines, Iago's Wine), Imeretien (Baia's Wine)
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USA: Kalifornien (Donkey & Goat, La Clarine Farm, Arnot-Roberts), Oregon (Kelley Fox, Hiyu Wine Farm), New York (Channing Daughters)
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Australien: South Australia (Lucy Margaux, Jauma), Victoria (Patrick Sullivan, Shobbrook), New South Wales (Frankly This Wine Was Made by Bob)
Jede Region und jeder Erzeuger bringt einen ganz eigenen Ansatz in die Naturweinherstellung ein und trägt so zur Vielfalt und Faszination dieser Kategorie bei.
Unsere besten Naturweine zum Probieren
Ausgewählt von unserer geschätzten Weinspezialistin Sara Speretto, einer erfahrenen Expertin mit über 10 Jahren Erfahrung in der Weinbranche, die derzeit als Customer Account Manager bei Coravin tätig ist. Sara besitzt das angesehene WSET Level 3 Wine Diploma des Wine & Spirit Education Trust sowie ein Diploma in Wine der Fondazione Italiana Sommelier.
- Emidio Pepe - Trebbiano d'Abruzzo: Dies ist ein komplexer, strukturierter Weißwein aus der italienischen Region Abruzzen. Er reift in Zementtanks und wird unfiltriert abgefüllt, wodurch der Wein seine ganze Ausdruckskraft entfalten kann. Er passt perfekt zu kräftigen Meeresfrüchtegerichten, gebratenem Geflügel und gereiftem Käse.
- Gravner - Ribolla: Ein beliebter Orange Wine aus der italienischen Region Friaul. Hergestellt aus der autochthonen Rebsorte Ribolla Gialla, durchläuft er eine verlängerte Maischestandzeit und reift in Tonamphoren, was zu einem wirklich einzigartigen Wein führt. Kombinieren Sie ihn mit ausdrucksstarken, aromatischen Gerichten wie Curry, gebratenem Fleisch und gereiftem Käse.
- Clos De Treilles - Anjou Enfant Terrible: Sie müssen unweigerlich lächeln, wenn Sie das auffällige Etikett dieses Naturweins aus dem Loiretal in Frankreich sehen. Es spielt auf charmante Weise auf den unkonventionellen Charakter der Naturweinherstellung an. Er ist eine perfekte Begleitung zu leichten Meeresfrüchtegerichten, Salaten und Ziegenkäse.
- Movia Exto - Gredič: Diese weiße Cuvée aus der slowenischen Region Goriška Brda ist für mich ein echtes Highlight. Mit verlängerter Maischestandzeit hergestellt und mit der autochthonen Rebsorte Ribolla versehen, begeistert sie mit komplexer Aromatik, texturaler Tiefe und beeindruckendem Reifepotenzial. Genießen Sie ihn zu gegrilltem Gemüse, gebratenem Geflügel und gereiftem Käse.
- Arianna Occhipinti - Grotte Alte: Elegant und ausdrucksstark, dieser Rotwein stammt aus Sizilien. Aus der Rebsorte Frappato gekeltert, ist er bekannt für seinen leichten Körper, seine frische Säure und seine florale Aromatik. Er passt wunderbar zu gegrilltem Fisch, Pastagerichten auf Tomatenbasis und Charcuterie.
Naturwein und die Umwelt
Einer der größten Vorzüge von Naturwein ist sein Potenzial für eine positive Umweltwirkung. Indem sie die Biodiversität fördern, den Einsatz von Chemikalien reduzieren und kleinbäuerliche Landwirtschaft unterstützen, tragen Naturweinmacher dazu bei, eine nachhaltigere Zukunft für die Branche zu schaffen.
Darüber hinaus helfen diese Produzenten durch den Einsatz traditioneller Techniken und lokaler Rebsorten dabei, kulturelles Erbe zu bewahren und der Vereinheitlichung globaler Weinstile entgegenzuwirken.
Die Zukunft der Naturweine
Je mehr Menschen die Freude an Naturwein entdecken, desto weiter wird diese Kategorie wachsen. Schon jetzt sehen wir, wie konventionelle Winzer mit Low-Intervention-Methoden experimentieren, und spezialisierte Naturweinläden und -bars entstehen überall.
Doch mit dem Wachstum steigt auch das Risiko von Greenwashing und Verwirrung. Deshalb fordern viele in der Branche klarere Definitionen und Zertifizierungen, damit Verbraucher besser verstehen, was sie kaufen.
Werden Sie Naturwein probieren?
Auch wenn diese Weine klassische Erwartungen herausfordern und gelegentlich Unterschiede aufweisen können, bieten sie eine einzigartige und faszinierende Möglichkeit, die Vielfalt und das Potenzial von Wein zu entdecken.
Wie bei jedem Wein gilt: Begegnen Sie Naturweinen mit Offenheit. Und warum nicht Ihr Naturwein-Erlebnis mit Coravin noch schöner machen?
Das Coravin Pivot+ und die Timeless Systeme ermöglichen es Ihnen, Ihre liebsten Naturweine glasweise zu genießen, ohne den Korken zu ziehen, und den restlichen Wein über Wochen oder sogar Monate frisch zu halten. So können Sie eine größere Vielfalt an Naturweinen entdecken, ohne sich Gedanken machen zu müssen, die Flasche auf einmal zu leeren.
Und da Sie immer nur ein Glas einschenken können, können Sie verschiedene Naturweine gleichzeitig vergleichen und gegenüberstellen, um Ihren perfekten Favoriten zu finden!





